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Trangia für Minimalisten:
Das beste aus zwei Welten

Leichte Ausrüstung fängt bekanntlich bei den big-five an: Zelt, Schlafsack, Rucksack, Schuhe und Kocher, in diesem Fall der ultraleichten Variante eines Trangia-Kochers.

Um das Gewicht meiner Ausrüstung zu reduzieren, habe ich u.a. meinen 35 Jahre jungen Trangia-27-Sturmkocher zur Disposition gestellt. Der wiegt 800 Gramm (es gibt inzwischen eine UL-Variante mit 720 Gramm), enthält zwei Töpfe zu je 1 Liter sowie eine Pfanne als Deckel. Der Trangia ist ein Klassiker und funktioniert (mit Alkohol resp. Spiritus) bei jedem Wetter, jedem Wind. Nur in großen Höhen oder bei strengen Minusgraden lässt die Leistung merklich nach bzw. es steigt der Verbrauch.

Nach längerer Recherche habe ich mir anstelle eines Eigenbaus den sogenannten Whiteboxstove gekauft. Der Alkoholbrenner – gefertigt aus einer Aluminiumbierflasche – wiegt nur 28 Gramm und dient gleichzeitig als Topfständer. Leichter geht’s fast nicht.

Allerdings: Hinsichtlich Stand- und Windsicherheit ist der Trangia unübertroffen. Hingegen besteht beim Whiteboxstove stets die Gefahr, dass der Brenner befüllt umkippt, weil der 1-Liter-Topf beim Umrühren ins Wanken gerät. So hat man schnell den schönsten Flächenbrand.

Genau darüber habe ich diesen Winter nachgedacht: Wie kann ich die Vorteile des Trangia Sturmkochers (Standsicherheit, Windschutz, gute Wärmeführung) mit den Gewichtsvorteilen des Whiteboxstoves verbinden?

Die Überlegung:

  • Die beiden 1-Liter-Töpfe des kleinen Trangia passen exakt ineinander.
  • Der Whiteboxstove ist von etwas geringerer Höhe.
  • Wenn man den Whiteboxstove in den äußeren Trangia-Topf stellt, kippt da nichts mehr um (getestet!).

Die Lösung:

  • Der faltbare Aluwindschutz (29 Gramm) des Whiteboxstoves muss weichen. Statt dessen habe ich den äußeren der beiden Trangia-Töpfe mit Windlöchern versehen. (Der wiegt nunmehr 100 Gramm, also tragbare 71 Gramm mehr als der Faltwindschutz.).
  • Auf ca. 90° des Umfangs habe ich drei Lochreihen gesetzt, auf dem restlichen Umfang nur eine. So kann ich ähnlich wie beim Trangia Sturmkocher der Windrichtung und -stärke Tribut zollen.

Der Funktionstest:

Nachdem ich das bei Minusgraden im Schnee getestet habe, war ich begeistert:

  • In den Boden wenige Tropfen zum Vorglühen, befüllten Brenner dazu.
  • Alkohol anzünden, nach einer Minute brennt der Whiteboxstove volles Rohr aus den Düsen.

Das Ergebnis:

  • Der Kocher steht stabil und funktioniert gerade bei Wind deutlich besser als mit dem Faltwindschutz.
  • Das (im Winter erforderliche) Vorglühen auf dem Topfboden ist leicht und gefahrlos zu bewerkstelligen und beschleunigt den Startvorgang.
  • Der Topf kann zwar wackeln, kippt aber defnitiv nicht mehr um.
  • Ideale Leistung für Tee und Trekking-Mahlzeiten: Nach 60 bis 90 Sekunden springt die Gasflamme an. Dann schießt die Flamme gegen die Wandung und bildet einen Flammenkessel um den Topf. Das ist der Turbo. Nur 3,5 Minuten nach der Gasentzündung kocht das Wasser. Kurz danach geht der Brenner aus.
  • Evtl. austretender Brennstoff (Überfüllung führt zum Überkochen des Brennstoffs) bleibt im Topf und verbrennt mit.
  • Alles zusammen wiegt inkl. Alu-Grillschalen-Deckel, Lappen, Griffzange und Streichhölzern nur 268 Gramm (Basisgewicht)!

  • Ich packe mir noch eine passend zugeschnittene dünne Korkplatte als Bodenschutz/isolierende Winterunterlage dazu. Die gibt es in jedem Baumarkt: Billig, leicht, schwer entflammbar, natürlicher Rohstoff. Leichter als die teuren Silikonplatten ist die auch. Kork geht einfach immer. :-)

  • Zusammengepackt hat das Ganze die Maße des Trangia-1-Liter-Topfes, wobei wegen des kleineren Brenners sogar noch ein oder zwei 100-ml-Fläschchen Alkohol mit rein passen.

  • Ganz nebenbei bleibt der Trangia Sturmkocher voll einsatzfähig, wenn auch mit einem Topf weniger. Aber der Trangia wird (bei dreifachem Gewicht) wohl in Zukunft auch im Winter daheim bleiben müssen.

Dazu noch ein robuster Packsack:

Nylonbeutel nehmen Ruß bzw. Brennstoffreste nicht auf. Das führt nach einiger Zeit zu einem gewissen Schmierfilm im Beutel, den man dann täglich mehrfach an die Finger kriegt. Nicht schlimm, aber lästig.

Deshalb bevorzuge ich für den Kocher einen Beutel aus robustem 60/40-Mischgewebe. Der Beutel wischt den Kocher bei jedem Rein und Raus ein wenig ab. Der Dreck bleibt im Stoff hängen. Nach der Tour wandert der Beutel ggf. einfach mit in die Wäsche.

Der Beutel ist schnell genäht aus dem Hosenbein einer löchrig gewordenen alten Outdoorhose. Das Hosenbein hat zudem den Vorteil, oben weiter zu werden, so dass der Beutel ganz automatisch eine weitere Öffnung hat.

  1. Kocher in das Hosenbein schieben.
  2. Passenden Teil oben und unten abschneiden.
    (Umschlag für Schnur berücksichtigen!)
  3. Auf Links drehen und schmalere Seite zunähen.
  4. An beiden Ecken vertikale Dreiecke abnähen
    (passend zur Höhe des Kochers).
  5. Umschlag für die Schnur nähen.
  6. Schnur einfädeln, Tanka dran und fertig.

Ich habe den Beutel etwas größer bemessen, damit bei Zweier-Touren auch noch zwei Milupa-Teller mit reingehen.

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