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Shoot-out: Hüfttasche Vaude Big Waterboy versus Osprey Talon 6

Seit einiger Zeit war ich auf der Suche nach einer leichten Hüfttasche, die zwei Trinkflaschen bequem transportieren kann und außerdem noch Platz für Vesper, Regenschutz, Landkarte und ähnliches bietet.

Nach längerer Recherche blieben zwei 6 Liter fassende Hüfttaschen übrig:

Weniger als 6 Liter Volumen kam nicht in Frage. Außerdem sollten auf den Hüftflossen Zusatztaschen für Riegel, Schlüssel etc. sein. Dadurch schieden einige Modelle aus.

Zugegeben: Ich besitzen bereits drei Rucksäcke von Osprey, die den harten Einsatz bisher gut überstanden haben. Ich bin also positiv von Osprey voreingenommen. Und wir besitzen auch zwei Rucksäcke von Vaude, die täglich benutzt werden und leider beide am Griff und an den Hüftgurten ausreißen. Ich bin also eher zurückhaltend, was die Erwartungen an die Vaude Hüfttasche betrifft.

Erster Eindruck der Hüfttaschen Vaude Big Waterboy und Osprey Talon 6

Im direkten Vergleich beider Hüfttaschen war ich vom Ergebnis (dennoch) überrascht.

Was für Ospreys Talon 6 spricht:

  • Das Handling: Die Osprey Talon hat einen Tragegriff, der beim Anziehen und Abnehmen praktisch ist. Die Vaude Big Waterboy nicht. Auch die Formhaltigkeit der Osprey erleichtert das Handling im Vergleich deutlich.

  • Die Belüftung: Die Osprey Talon hat eine feste, gut belüftete Rückenplatte. Die Vaude Big Waterboy hat lediglich eine weiche Polsterung auf dem Rückengegewebe.
  • Der Sitz: Die Osprey Talon sitzt in jedem Beladungszustand wie eine Eins. Bei der Vaude Big Waterboy wird der Sitz mit zunehmender Beladung schlechter (siehe unten).
  • Die Außenbefestigung: Die Osprey Talon hat hinten Querspannriemen, die das sichere Befestigen eines Pullovers oder einer nassen Jacke ermöglichen als auch des „Wegkomprimieren“ leerer Flaschenfächer. Der Vaude Big Waterboy hat lediglich drei Daisies, für deren Nutzung aber separate Riemen erforderlich sind.
  • Der Hüftriemen: der Osprey Talon 6 wird seitlich durch Nach-vorne-Ziehen gespannt. Das geht sehr leicht und funktioniert auch prima, wenn man die Tasche kurz von hinten nach vorn drehen möchte. Die Vaude Big Waterboy hat „klassische“ Spanngurte, quer von der Verschlussschnalle zur Seite gezogen werden müssen. Das ist deutlich schwerer und geht auf dem Rücken (wenn die Tasche nach vorn gedreht wurde) nur sehr mühsam.
  • Das Flaschenhandling: Die Osprey Talon bringt 2 perfekt entnehmbare 0,6-Liter-Formflaschen mit Silikonzugventil mit, die für symmetrische Belastung und einfachstes Handling sorgen. Der Vaude Big Waterboy hat ein großes gut bedienbares Flaschenfach und einen dehnbaren Multifunktionseinschub. Letzterer fasst zwar auch eine Nalgene oder Fahrradflasche, diese ist aber kaum mit einer Hand wieder einzusetzen.
  • Die Mesh-Taschen auf dem Hüftgurt: Die der Osprey Talon können bequem mit einer Hand geöffnet und geschlossen werden. Dies gelingt bei der Vaude Big Waterboy einfach nicht (siehe Fotos weiter unten).

Was für Vaudes Big Waterboy spricht:

  • Das zurückhaltendere Design: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber dieser „dynamische“ Aufdruck auf den Flaschenhaltern der Talon 6: War das wirklich nötig, Osprey?

  • Das Gewicht: Die Vaude Big Waterboy wiegt 259 Gramm. Die Osprey Talon 6 wiegt ohne die Flaschen 294 Gramm (beide Taschen nachgewogen).

  • Der Preis: Zum Zeitpunkt dieses Vergleichs kostete Ospreys Talon 6 mit 45 zu 30 Euro rund 15 Euro mehr als Vaudes Big Waterboy. (Siehe dazu auch unten „Fazit“.)
  • Der Reißverschluss des Hauptfachs: Bei der Vaude Big Waterboy ist der Reißverschluss leicht und problemlos zu bedienen. Bei der Osprey Talon 6 stört die Reißverschlussabdeckung das Handling etwas (sie kann aber auch dauerhaft zurückgeklappt werden). Außerdem läuft der Reißverschluss nur unwillig um die Seitenfalze des Taschendeckels. (In der Praxis wird das durch die griffigen Schlaufen an den Zippern zumindest etwas ausgelichen.)

Fazit: Osprey macht den besseren Job

Abgesehen vom Design schlägt die Talon 6 den Big Waterboy nicht nur aus dem Rennen, sie legt geradezu einen Maßstab, den andere Taschen erst erfüllen müssen.

Natürlich, die Talon 6 ist 15 EUR teuerer als die Big Waterboy. Aber wenn man Gegenwert der mitgelieferten Formflaschen vom Kaufpreis der Osprey-Tasche abzieht, dann relativiert sich der Preisunterschied.

Warum Vaude bei der Big Waterboy dringend nachbessern muss:

Statt alle Details mit Vergleichsfotos zu beleuchten, zeige ich hier, warum die Vaude Big Waterboy für mich im Wortsinne „untragbar“ ist:

  • Zu weicher Rücken: Die Polsterung ist nicht durchgehend und verleiht der Tasche daher keinen stabilen Rücken. In der Folge wird die Tasche rund, sobald man das Volumen ausnutzt.

    Vaude Big Waterboy (links) und Osprey Talon 6 (rechts), beide mit einer ultraleichten Daunenjacke befüllt.
    Vaude Big Waterboy (links) und Osprey Talon 6 (rechts) vis-a-vis.
    Beide wurden mit identischen UL-Dauenjacken locker tuffig befüllt.


    Ich habe die Vaude-Tasche nicht überladen. Sie bauscht sich schlicht in die falsche Richtung auf. Auf dem Bild erkennt man an der identisch befüllten Talon 6 (rechts) sehen, dass es auch anders geht.

    Bezeichnenderweise bleibt die Vorderseite der Vaude-Tasche (Logo-Seite) flach. Tatsächlich müsste man die Tasche also sehr locker und mit geringerem Nutzvolumen bepacken, damit die Rückwand sich nach innen wölben könnte und so einen körpernahen Sitz ermöglichte. Dann ist die Tasche im Handling aber so weich, dass das An- und Abziehen noch umständlicher ist, als es ohnehin durch den fehlenden Tragegriff schon ist.

  • Form bei Beladung: Durch den unter Beladung runden Rücken der Vaude Big Waterboy ergibt sich beim Anziehen ein schlechter Sitz mit offenen Dreiecken auf beiden Seiten.

    Wenn man das Taschenvolumen auch nutzt, geht der gute Sitz der Tasche verloren.
    Für Zwecke der Fotos habe ich die Tasche vor den Bauch gedreht.
    Die Situation hinten getragen ist aber dieselbe.

  • Reissverschlüsse der Seitentaschen: Die Konsequenz aus dem schlechten Sitz ist, dass die Hüftflossen nicht rund anliegen, sondern gerade gespannt werden. Somit sind die Seitentaschen-Zipper nicht mehr einhandbedienbar.

    Die Seitentaschen-Zipper sind nicht einhandbedienbar.

  • Faltenwurf: Selbst, wenn die Tasche sich in diesem Fall dank weichem Inhalt mit viel Spannung an den Körper bringen lässt, bildet sich dann eine Falte in dem Dreieck, die den guten Sitz verhindert.

  • Der Schnitt mit einem expliziten Flaschenfach und einem Multifunktionsfach auf der anderen Seite begünstigt den schlechten Sitz. Hat man in der zweiten Außentasche auch eine Flasche, dann verändert sich der Sitz der Tasche deutlich, sobald man die Flasche/den Gegenstand entnimmt.Das wiedereinsetzen des Gegenstandes ist dann auch mit zwei Händen schwierig.

    Leert man das Multifunktionsfach unter Spannung, verändert sich der Sitz der Tasche negativ.
    Deutlich erkennt man, wie sich die rechte Seite der Vaude Big Waterboy nach Entnahme der Flasche zum Körper hin verzieht (vgl. zwei Bilder zuvor).

Die Osprey Talon 6 ist in allen hier genannten Punkten „fehlerfrei“: formhaltig, körpernaher Sitz, Hüftgurttaschen einhandbedienbar, leicht laufende Spanngurte, symmetrischer Sitz unabhängig vom Füllstand der Außentaschen.

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