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ESBIT: Kleines Brevier der Vor- und Nachteile eines verkannten Brennstoffs

Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform – der umständliche Name dieses Brennstoffs wurde zum Glück zu einem Acronym verkürzt. Denn eines ist ESBIT sicher nicht: Umständlich. Und sonst?

Vorteile:

  • Der Verbrauch ist durch die Tablettenform exakt kalkulierbar. Man weiß genau, wie viel man mitnehmen muss und wie viel man noch übrig hat. Je nach Kocher und Windschutz erhitzt eine 14-Gramm-Tablette 500 ml Wasser in 6 bis 8 Minuten. Die Tablette hat dann noch etwas Reserve.

  • Einfachste Anwendung: Tablette auf eine nicht brennbare Unterlage legen und anzünden.
  • Risikoarm:
    • ESBIT läuft nicht aus. Wenn die Innenbeschichtung einer Brennstoffflasche abgebaut ist, dann oxidiert Spiritus binnen kurzem Löcher in Aluflaschen. Mit ESBIT besteht keinerlei Auslaufrisiko.
    • Es verteilt sich beim Umkippen des Kochers nicht in die Umgebung. Ich habe selbst erlebt, wie ein Wanderkumpel versehentlich seinen laufenden Caldera Cone Spiritusbrenner umgestoßen hat. Der brennende Spiritus ergoss sich unter die Apside seines Tarps. Schnelle Reaktion und eine gute Portion Glück im Unglück haben schlimmeres verhindert. Solche Szenarien sind mit ESBIT ganz erheblich harmloser.
    • Leicht zu löschen: Eine brennende Tablette kann einfach ausgeblasen werden.
  • Leichte Technik: Mit ESBIT spart man doppelt Gewicht: Man benötigt zum einen keinen Brenner im klassischen Sinn, allenfalls einen Ständer aus Draht als Topfauflage. Der beliebte Titan-Kocher (robuster Dreifuß für den Topf und unterströmte Auflage für die ESBIT-Tablette) wiegt gerade einmal 11 g.
  • Leichter Brennstoff: Gerade bei kurzen Touren rechnet sich ESBIT beim Gewicht. Für einen Tag benötige ich: 2× 4 g für warme Milch und den Instantkaffee sowie 14 g für die Abendmahlzeit mit Tee, also 22 g/Tag. Man spart dabei nicht nur das Verpackungsgewicht einer Brennstoffflasche oder Gaskartusche. Man spart auch die Übermenge an Brennstoff, die man bei allen anderen Brennstoffen einpackt, weil man unterwegs sicher sein möchte, dass der Brennstoff nicht überraschend ausgeht.
  • Preiswerte Technik: Die Möglichkeiten reichen von der kostenlosen Blechunterlage für die Tablette mit einer gebogenen Speicher als Topfständer über den einfachen Klappkocher (wie er auch bei der Bundeswehr eingesetzt wird) für 8 Euro oder den empfehlenswerten Titan-Dreifuß für 13 Euro bis hin zu leichten Komplettsystemen aus Topf, Standfuß mit Windschutz für rund 20 bis 30 Euro. Die Anschaffungskosten sind also kein Hindernis.
  • Preiswerter Brennstoff: Ein gängiges Vorurteil ist, dass ESBIT sehr teuer sei.
    • Tatsächlich werden einzelne 6er-Packs 14-Gramm-Tabletten für 4 bis 6 EUR verkauft. Das wären also 0,63 bis 1 Euro pro 500 ml kochendem Wasser. Das wäre tatsächlich ziemlich teuer.
    • Allerdings relativiert sich dieser Preis, wenn man weiß, dass die Bundeswehr regelmäßig ihre Bestände an ESBIT erneutert. Die aussortierten Gebinde von 30 Packungen à 6 Tabletten landen dann regelmäßig auf eBay (weiße Schachteln), wo man typischerweise 30 bis 35 Euro für 30 Packungen, also 240 Tabletten bezahlt. Wer seinen Vorrat so aufstockt, liegt bei 0,15 Euro pro Kochvorgang.
    • Zum Vergleich: Sehr sparsame Gaskocher benötigen zum Aufkochen von von 500 ml Wasser 5 Gramm Gas. Eine mittlere Gaskartusche mit 230 Gramm Gas kostet knapp 6 Euro. Daraus ergeben sich 0,25 Euro pro Kochvorgang, wenn man annimmt, dass die Kartusche vollständig geleert werden kann (was in der Praxis nicht gelingt). Um in ähnliche Preisregionen zu kommen wie beim Bundeswehr-ESBIT, muss man schon eine große Gasflasche kaufen und seine Kartuschen selbst befüllen, was nicht gänzlich risikofrei ist.

Nachteile:

  • Nicht auf Flugreisen: Man darf ESBIT wie die meisten anderen Brennstoffe nicht im Flugzeug mitnehmen.

  • Nicht überall erhältlich: In Deutschland gibt es ESBIT in Outdoorläden, Baumärkten und Haushaltwarengeschäften. Außerhalb Deutschlands ist ESBIT nicht überall zu bekommen, findet aber zunehmend Verbreitung. Allerdings kann man ersatzhalber auf ähnliche Hexamin-Produkte zugreifen (nach „Solid Fuel“ fragen).
  • ESBIT stinkt: Der Geruch wird oft als „fischig“ beschrieben.
    • Die trockenen Tabletten riechen fast gar nicht. Große 14-Gramm-Tabletten sind ohnehin einzeln foliert, die kleineren 4-Gramm-Tabletten können nach Öffnen der Packung einfach in einem Ziplock-Beutel verpackt werden. Die Tabletten sind übrigens nicht wegen des geringen Geruchs luftdicht verpackt, sondern weil ESBIT trocken gelagert werden sollte.
    • Beim Brennen entsteht tatsächlich ein deutlich wahrnehmbarer Geruch, dem man ähnlich wie beim Lagerfeuer aus dem Weg zu gehen sucht, in dem man die Windrichtung beachtet. Subjektiv ist der Rauch eines Lagerfeuers jedoch wesentlich unangehmer. Auch bleibt der Geruch der brennenden ESBIT-Tablette kaum in der Kleidung hängen.
  • ESBIT ist giftig: Ja. Welcher Brennstoff ist das nicht? Da ist zum einen die Tablette (Gefahr der Einnahme). Vor allem aber geht es um die bei der Verbrennung freigesetze Blausäure (was z.B. auch beim Rauchen von Zigaretten der Fall ist). Im Verhältnis zur versehentlichen Einnahme von Flüssigbrennstoffen oder dem Einatmen von Benzindämpfen ist ESBIT nach meinen Recherchen jedoch als weniger toxisch anzusehen. Außerdem erfolgt die Verwendung als Outdoorbrennstoff in der Regel an der frischen Luft.

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Copyright 2017 Peter Reinhardt 687×   20.01.2016 09:23

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